poesie
zurück : > visionen
in folge entsteht eine sammlung „grüner gedichte“...... ist ihr lieblingsgedicht nicht dabei?.....bitte mailen sie es mir.......ich würde mich darüber freuen....


a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z



Zeit meines Reichtums
Sieben Wochen meines Lebens war ich
Reich.
Vom Ertrag eines Stückes erwarb ich
Ein Haus in einem großen Garten. Ich hatte
Es
Mehr Wochen betrachtet, als ich es bewohn-
te. Zu verschiedenen Tageszeiten
Und auch des Nachts ging ich erst vorbei,
zu sehen
Wie die alten Bäume über den Wiesen stün-
den in der Frühdämmerung
Oder der Teich mit den moosigen Karpfen
lag, vormittags bei Regen
Die Hecken zu sehen in der vollen Sonne
des Mittags
Die weißen Rhododendronbüsche am
Abend, nach dem Vesperläuten.
Dann zog ich ein mit den Freunden. Mein
Wagen
Stand unter den Fichten. Wir sahen uns um:
von keiner Stelle aus
Sah man dieses Gartens Grenzen alle, die
Neigungen der Rasenflächen
Und die Baumgruppen verhinderten, daß
Die Hecken sich erblickten.

Bert Brecht



Der Pflaumenbaum
Im Hofe steht ein Pflaumenbaum
Der ist klein, man glaubt es kaum.
Er hat ein Gitter drum
So tritt ihn keiner um.
Der kleine kann nicht größer wer’n.
Ja größer wer’n, das möchte er gern.
‚s ist keine Red davon
Er hat zu wenig Sonn.
Den Pflaumenbaum glaubt man ihm kaum
Weil er nie eine Pflaume hat
Doch er ist ein Pflaumenbaum
Man kennt es an dem Blatt.

Bertolt Brecht



Der Blumengarten
Am See, tief zwischen Tann und Silberpappel
Beschirmt von Mauer und Gesträuch ein Garten
So weise angelegt mit monatlichen Blumen
Daß er vom März bis zum Oktober blüht.
Hier in der Früh, nicht allzu häufig, sitz ich
Und wünsche mir, auch ich mög allezeit
In den verschiedenen Wettern, guten, schlechten
Dies oder jenes Angenehme zeigen.

Bertolt Brecht



Mit Wasser und Erde beginnt,
wie die große Welt des Schöpfers,
die kleine Welt,
die der Gartenzauberer schafft.

Rudolf Borchardt



„Am 15. September.
Man möchte rasend werden, Wilhelm, daß es Menschen geben soll ohne Sinn und Gefühl an dem wenigen, was auf Erden noch einen Wert hat. Du kennst die Nußbäume, unter denen ich bei dem ehrlichen Pfarrer zu St. mit Lotten gesessen, die herrlichen Nußbäume! die mich, Gott weiß immer mit dem größten Seelenvergnügen füllten! Wie vertraulich sie den Pfarrhof machten, wie kühl! und wie herrlich die Äste waren! und die Erinnerung bis zu den ehrlichen Geistlichen, die sie vor so vielen Jahren pflanzten. Der Schulmeister hat uns den einen Namen oft genannt, den er von seinem Großvater gehört hatte; und so ein braver Mann soll er gewesen sein, und sein Andenken war mir immer heilig unter den Bäumen. Ich sage dir, dem Schulmeister standen die Tränen in den Augen, da wir gestern davon redeten, daß sie abgehauen worden – Abgehauen! Ich möchte toll werden, ich könnte den Hund ermorden, der den ersten Hieb dran tat. Ich, der ich mich vertrauen könnte, wenn so ein paar Bäume in meinem Hofe stünden und einer davon stürbe vor Alter ab, ich muß zusehen.“

Johann Wolfgang Goethe,

aus: Die Leiden des jungen Werther




„Mit einem kleinen guten Botanikbuch in
Ruhe mich unter diese lieben Blumen zu setzen
und sie zu studieren, das ist ein Entschluß
von mir, ähnlich wie der Vorsatz, später einmal
still in einem kleinen Garten zu leben,
Gemüse zu bauen und nie mehr über meinen
Gartenzaun hinweg zu denken.
Sie sind schön, diese Vorsätze, und machen
uns freuen, aber um sie einzuhalten,
ist das Leben, wie es scheint,
zu kurz.“

Hermann Hesse



“Bäume sind für mich immer die eindringlichsten Prediger gewesen. Ich verehre sie, wenn sie in Völkern und Familien leben, in Wäldern und Hainen. Und noch mehr verehre ich sie, wenn sie einzeln stehen. Sie sind wie Einsame. Nicht wie Einsiedler, welche aus irgendeiner Schwäche sich davongestohlen haben, sondern wie große, vereinsamte Menschen, wie Beethoven und Nietsche. In ihren Wipfeln rauscht die Welt, ihre Wurzeln ruhen im Unendlichen, allein sie verlieren sich nicht darin, sondern erstreben mit aller Kraft ihres Lebens nur das Eine: ihr eigenes, in ihnen wohnendes Gesetz zu erfüllen, ihre eigene Gestalt auszubauen, sich selbst darzustellen. Nichts ist heiliger, nichts ist vorbildlicher als ein schöner, starker Baum.“

Hermann Hesse



Richarda Huch, aus: Jugendbilder



Ein Tag im Garten
ist wertvoller
als Jahre
verbracht in Städten
in Bibliotheken
oder selbst
inmitten von Kunstwerken.

Ernst Jünger




Der Garten ist der letzte
Luxus unserer Tage,
denn er fordert das,
was in unserer Gesellschaft
am kostbarsten geworden ist:
Zeit, Zuwendung und Raum

Dieter Kienast




Die springenden Alleebäume...

Herbert Rosendorfer




Ja, das möchste:

Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse,
vorn die Ostsee, hinter die Friedrichsstraße;
mit schöner Aussicht, ländlich mondän,
vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehen –
aber abends zum Kino hast Du’s nicht weit.
Das ganze schlicht voller Bescheidenheit:
Neun Zimmer, - nein doch lieber zehn!
Ein Dachgarten, wo die Eichen drauf stehen.
Radio, Zentralheizung, Vakuum.
Eine Dienerschaft, gut erzogen und stumm.
Eine süße Frau, voller Rasse und Verve.
(und eine fürs Wochenende und zur Reserve),
Eine Bibliothek - und drumrum
Einsamkeit und Hummelgesumm.

Kurt Tucholsky, 1927




„Wenn du einen Tag glücklich sein willst, betrinke dich.
Wenn du eine Woche lang glücklich sein willst, schlachte ein Schwein.
Wenn du ein Jahr lang glücklich sein willst, dann heirate.
Aber wenn du dein Leben lang glücklich sein willst, werde Gärtner.“

Alte chinesische Weißheit